Ohne Bildung keine Zukunft

Der Klub für Frauen bat zum Gespräch mit Tatjana Oppitz, Generaldirektorin der IBM Österreich, in den Ballsaal des Palais Hansen Kempinski Vienna


Mit soviel Freude erinnern sich nur wenige Menschen an ihre Schulzeit. Angesprochen auf das Lycée Francais in Wien, gerät Tatjana Oppitz ins Schwärmen: In dieser bilingualen Ganztagsschule, wo sie neben dem französischen Abitur die österreichische Matura absolvierte, habe sie analytisches Denken gelernt – und auch das immer gute Essen geschätzt. Das Bildungsthema liegt ihr generell sehr am Herzen: „Bildung ist unsere Zukunft, wir leben in einer Wissensgesellschaft“, sagt Tatjana Oppitz während des gut einstündigen Podiumsgesprächs mit Dagmar Lang, Geschäftsführerin des Manstein Verlages. „Wenn wir den Standort Österreich sichern wollen, brauchen wir sehr gut ausgebildete Menschen“, erklärt Oppitz,  die im Übrigen in das allgemeine Österreich-Bashing nicht einstimmme. Vorschläge, Konzepte und Ideen für eine österreichische Bildungsreform lägen reichlich in den Schubladen. Dass die Umsetzung so schleppend vorwärts gehe, „tut mir in der Seele weh“. Nicht zuletzt deshalb engagiert sich die Generaldirektorin für die Bildungsinitiative „Teach for Austria“ als Teil des globalen Bildungsnetzwerks „Teach For All“, dessen Ziel es sei, „bildungsfernen Schichten eine exzellente Ausbildung zu ermöglichen“.

Am Unternehmen IBM, für das Tatjana Oppitz seit nunmehr 25 Jahren und seit drei Jahren als Generaldirektorin tätig ist, schätzt sie besonders die Innovationskraft und die Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden. „Nicht einen einzigen Tag war mir in dieser Firma fad“, erklärt sie. Mit ehrgeizigen Karrierevorhaben sei Sie selbst nicht angetreten– ihren jungen Mitarbeiterinnen empfiehlt sie dagegen heute sehr wohl, „einen Plan zu haben“. Ihre eigene Karriere habe sich ergeben, weil ihre Chefs das „Fire in the bailey and twinkle in her eyes“ sahen und sie entsprechend förderten. „Sie können mich gar nicht enttäuschen, meine Erwartungshaltung ist so gering", habe ihr erster Chef gesagt, und sie schlussfolgerte: „Warte, dir zeig´ich´s!“ Gleichstellung der Geschlechter und Hautfarben sei schon seit 1911 Programm bei der IBM. Frühstücken würde sie daher am liebsten mit Thomas J. Watson, der die Diversity dereinst im Managementsystem des Unternehmens verankerte. Ein großes Anliegen sei es ihr, Teilzeitmodelle auch in Führungspositionen zu ermöglichen. Zu ihrer persönlichen Work-Life-Balance sagt Oppitz, ein Nine-to-five-Job sei in verantwortlichen Management-Positionen „eine Schimäre“. Da Österreich im Vergleich zu nordischen Ländern eine relativ konservative Gesellschaftsstruktur habe, bleibe die Doppelbelastung im Spagat zwischen Beruf und Familie „in den meisten Fällen sehr wohl bei der Frau hängen“.

Wenn sie morgens die Firma betrete, habe sie ein Lächeln auf den Lippen: „Neuer Tag, neues Glück, sei positiv! Es hat mich niemand gezwungen, diesen Job zu machen!“ Das Arbeiten auf dem vergleichsweise kleinen österreichischen Markt bereite ihr Vergnügen, weil es viele Möglichkeiten biete, Dinge persönlich zu gestalten und zu verändern. In Bezug auf die Datensicherheit im Netz, die auch für die IBM ein großes Thema sei, sieht sie in erster Linie den Gesetzgeber gefordert. Gleichwohl sei der NSA-Skandal ein „Wake-up-call“ gewesen: Jeder müsse heutzutage aufpassen, welche Daten er dem Netz anvertraue. Hier gelte es, das Bewusstsein vor allem der jüngeren Generationen zu entwickeln.

Mit dabei:

KFF-Präsidentin Gabi Spiegelfeld, ÖBB-Kommunikationschefin Kristin Hanusch-Linser, IAA-Generalsekretärin Raphaela Vallon-Sattler, Kunstexpertin Barbara Kamler-Wild, Architektin Angeliki Koffer-Maniatopoulou, Volksanwältin Sylvia Paphazy und Maria Rauch-Kallat

Der Klub für Frauen:

Nicole Bäck │ Manuela Bruck │Henrietta Egerth │ Daniela Enzi | Eva Glawischnig │ Bettina Gneisz-Al-Ani │ Sophie Karmasin │ Dagmar Lang | Annabel Loebell │Eva Marchart │ Christine Marek │Patricia Pawlicki |Regina Prehofer │ Ulli Sima │ Danielle Spera| Gabi Spiegelfeld │ Anna-Maria Wallner

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