Einführung ins politische Powerplay

Der Klub für Frauen bat zum Gespräch mit Sophie Karmasin, Bundesministerin für Familien und Jugend, in den Ballsaal des Meliá Vienna.


Wenn Sophie Karmasin, Bundesministerin für Familien und Jugend und selbst Mutter von zwei Kindern, vor Frauen über das erste halbe Jahr ihrer Amtszeit spricht, dann kommen erwartungsgemäß viele tagesaktuelle politische Angelegenheiten auf den Tisch. Umrahmt von einem grandiosen Ausblick auf die Donau-Ufer und die Wiener Innenstadt, gab die promovierte Psychologin gestern Abend beim Klub für Frauen vor rund 80 Gästen im Ballsaal des neuen Meliá Vienna im DC Tower detailliert Auskunft zu Themen wie Kinderbetreuung, Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare, Väterkarenz und die Ausbildung von Kindergartenpädagogen. Intensiv beschäftigt sie im Moment die Einigung von Bund und Ländern zum Ausbau der Kinderbetreuung. Die soeben geglückte Annäherung nannte sie stolz einen „Durchbruch“. Zuversichtlich zeigte sich Karmasin bezüglich einer endgültigen Einigung zum Thema in der kommenden Woche – jetzt gelte es noch, „den Koalitionspartner umzustimmen“.

Habe sie den Gestaltungsspielraum erhalten, den sie sich für ihr Amt als Bundesministerin erhoffte? Ja und nein, antwortete Karmasin während des gut einstündigen Podiumsgesprächs mit Corinna Milborn, Infodirektorin des TV-Senders Puls4. Viele Entscheidungen, etwa zur Erhöhung der Familienbeihilfe, seien viel schneller als erwartet gefallen. Andere, wie jene zum Ausbau der Kindergartenplätze, gestalteten sich ungleich schwieriger: „Das war mir nicht bewusst“, sagte die Politikerin, die auch selbst Mitglied des Klubs für Frauen ist und sich erklärtermaßen vorgenommen hat, Österreich zum familienfreundlichsten Land Europas zu gestalten. Parteipolitik interessiere sie dabei nicht: „Ich will Österreich familienfreundlicher machen, und die ÖVP hat mir dazu einen Platz gegeben.“

Für eine längere und häufiger genutzte Väterkarenz wünscht sich Sophie Karmasin prominente Vorbilder: Wenn Top-Manager wie Otto Kern oder Niki Lauda „starke Signale schaffen“, falle es vielen Männern leichter, die klassischen Rollenbilder zu durchbrechen. Die Erziehung dazu beginne bereits im Kindergarten, weshalb Karmasin deren qualifizierte Ausbildung stärker in den Fokus nehmen wolle. Kinder seien zwar das Wichtigste im Leben, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Alltag und am Arbeitsplatz aber keineswegs selbstverständlich. In diesem Zusammenhang verwies die Bundesministerin auf die Initiative „berufundfamilie“, dessen Ziel es sei, familienfreundliche Unternehmen zu vernetzen. Nach einem Auditverfahren verleiht das Ministerium ein Gütesiegel für familienbewusste Personalpolitik an Unternehmen, bei denen die Mitarbeiter Beruf und Familie besonders gut verbinden können.

Ihr persönlich, sagte Sophie Karmasin, seien die gemeinsamen Mahlzeiten mit der Familie besonders wichtig, für die sie sich auch selbst an den Herd stellt – „nicht täglich, aber sicher dreimal in der Woche und am Wochenende sowieso“.

 

Mit dabei:

vom Klub für Frauen Nicole Bäck, Daniela Enzi, Sophie Karmasin, Dagmar Lang, Annabel Loebell, Eva Marchart, Christine Marek sowie Hausherrin Dorothea Schuster (Meliá Vienna), unter den rund 80 Gästen u.a. Ruth Grabenwarter-Payr (Donauchemie), Sigrid Aibler (Yves Rocher GmbH), Johannes Dobretsberger (Oracle) und viele mehr